Im Winter kalt, im Sommer nass

Eigentlich können wir in Berlin mit der Situation der Mieter zufrieden sein, sofern man die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften betrachtet.
Es gibt einen Mietspiegel – über den man streiten kann – und die WBGen halten sich daran. Auch wenn das bisweilen – nach mehreren Jahren ohne Erhöhung der Kaltmieten – zu Mieterhöhungen von mehr als 10% führen kann, sind doch die Wohnungen bewohnbar und in durchschnittlich gutem Zustand.
Darüberhinaus gibt es allerdings noch Mietwohnungen von anderen Gesellschaften, die nicht der Kontrolle durch die Senatsverwaltung unterliegen.

Kann uns doch egal sein? Nein, das sollte es nicht, Mietervertreter sollten sich für ALLE Mieter engagieren und vor allen Dingen die Entwicklungen auf dem Markt der privaten Vermieter beobachten.
Beispiel: Deutsche Wohnen AG, einer der größten privaten Eigentümer von Mietwohnungen, in Berlin und nahem Umland ca. 100.000, die Bestände der GSW und der GEHAG wurden aufgekauft und das Land Berlin hat seine Beteiligungen abgegeben. In letzter Zeit häufen sich die Beschwerden von Mietern, da im Winter die Heizung ausfiel und trotz mehrmaliger Mängelmeldung und Aufforderung zur Reparatur vom Vermieter nichts unternommen wurde, wie der rbb berichtete.
Nun erwägt sogar die SPD, im Ausschuss für Stadtentwicklung eine Anhörung der Deutsche Wohnen durchzuführen – sofern diese der „Vorladung“ folgt, was bei einem privaten Unternehmen keinesfalls sicher ist. Hier zeigt sich die Machtlosigkeit der Politik ganz deutlich.

Vor rund einem Jahr war eine Übernahme der Deutsche Wohnen durch die Vonovia gescheitert, die Ansonsten mit 500.000 Wohnungen deutschlandweit einer der größten Vermieter geworden wäre. Inzwischen besitzen beide Gesellschaften etliche Wohnungen in Berlin, darunter geförderte Sozialwohnungen, wie man bei einer Anfrage in der Senatsverwaltung im August 2016 erfahren konnte.
Dass auch die Vonovia mit Sanierungsmaßnahmen die Mieteinnahmen verbessern wollte ist dabei nur konsequent (aus Sicht der Vermieter), da dieses Mittel alle Begrenzungen des Mietspiegels umgeht.

Und so häufen sich nun die Beschwerden, dass notwendige Reparaturen verschleppt werden, offensichtlich in der Hoffnung lange genug warten zu können, bis „richtige“ Sanierungen fällig werden, die man dann wieder auf die Miete umlegen kann, unabhängig von den Reglungen für Mieterhöhungen.
Noch sind es 11% jährlich die umlagfähig sind, wenn auch der Koalitionsvertrag nur noch 6% vorsieht, jedoch noch nicht rechtskräftig ist.

In Berlin sind ca. 80 – 85% der Einwohner Mieter.

Allerdings haben die meisten Mieter bei privaten Vermietern keine akzeptierten Mietervertretungen.